Leverkusen blüht auf – lebendige Gärten und Balkone

Naturnah gärtnern für Insekten

Gärtnern liegt im Trend! Egal ob im Garten am Stadtrand oder auf dem Balkon in der Innenstadt: viele Menschen entdecken die Vorzüge von Grün in ihrem Leben. Duftende Kräuter, frisches Gemüse oder bunte Blütenpracht – die Möglichkeiten sind unerschöpflich.

Doch wie gestalte ich meinen Garten naturnah? Wie schaffe ich eine grüne Oase inmitten der Stadt?

Tipps für mehr Natur im Garten

Tipps für moderne Gärten

Es braucht nicht viel, um aus einem tristen Garten eine vielfältige Wohlfühloase zu machen. Mit den folgenden 16 Ratschlägen sollten Sie schon nach wenigen Wochen mit bunten Blüten, Bienensummen, tanzenden Schmetterlingen und Vogelgezwitscher belohnt werden.

1. Pflanzenauswahl
Heimische Blumen, Sträucher und Bäume sind bestens an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Sie bieten Nahrung für viele Tiere.
Tipp: Auf einfache Blüten achten (nur diese produzieren Nektar) und Blühzeiten aufeinander abstimmen! Mehr Info auch im Kapitel „Aktiv für Wildbienen“

2. Lebensraum-Mosaik Weidenflechtzaun
Trockenmauern, Steinhaufen, Hecken oder Totholzhaufen: vielfältige natürliche Strukturen bereichern das Gartenleben. Sie bieten auf kleinem Raum gute Lebensbedingungen für eine Vielzahl an Arten.
Tipp: Den Garten abwechslungsreich gestalten, statt nur wenige Strukturen großflächig zuzulassen (z.B. artenarmer „englischer“ Rasen)!

3. Giftfreier Garten
Pestizide und Unkrautmittel schaden mehr, als sie nützen.
Tipp: Stattdessen Wildkräuter als blühende Bereicherung akzeptieren oder, falls nötig, mechanisch entfernen! Bei tierischen Schädlingen auf biologische Schädlingsbekämpfung und Pflanzenjauche setzen. Gegen Läuse helfen beispielsweise Marienkäferlarven.

4. Material und Geld sparen
In naturnahen Gärten erhalten alte Gegenstände eine neue Funktion. Das spart Geld und Material.
Tipp: Alte Gegenstände, Baustoffe etc. wiederverwenden, regionale Materialien verwenden, Regenwasser auffangen und auf elektrisches Licht verzichten!

5. Torffreie Erde verwenden
Gut für die Moore, gut für das Klima, gut für den eigenen Garten: Achten Sie daher beim Kauf auf torffreie Erde.
Tipp: Am besten auch auf Pflanzenarten verzichten, die stark saure Böden benötigen (sie kommen hierzulande zumeist nicht natürlich vor).

6. Dynamik zulassen
„Wilde Ecken“ mit verschiedenen Wildblumen sind wichtig für Tiere und Pflanzen. Sie überraschen zudem mit unerwarteten farbenfrohen Blüten.
Tipp: „Unkräuter“ stehen lassen und als Bereicherung für zahlreiche Tiere akzeptieren!

7. Ruhe zulassen
Naturnahe Böden selten umgraben und wenn, dann schonend lockern. Auf diese Weise bleibt die natürliche Bodenschichtung erhalten und das Bodenleben blüht auf.
Tipp: Gartenbereiche bewusst nicht mehr umgraben und Pflanzenreste liegen lassen.

8. Natürlich düngen
Gründüngung, Kompost und Pflanzenjauche statt Kunstdünger: es gibt viele biologische Möglichkeiten zur Bodenverbesserung.
Tipp: Als Gründünger etwa Rainfarn-Phazelie, Kleesorten oder Leguminosen einsetzen! Eigenen Kompost verwenden! Pflanzenjauche aus Brennnesseln, Schachtelhalm oder Beinwell selbst herstellen!

9. Wasser ist Leben: Teichgarten
Selbst kleine Gartenteiche oder Folienteiche sowie Vogeltränken sind Tiermagnete. Amphibien, Vögel und selbst Wildbienen freuen sich über eine nahe Wasserstelle.
Tipp: Für Mehr Artenvielfalt auf ausreichend große Ufer-/Flachwasserbereiche achten!

10. Geheimwaffe Mulch
Freunde naturnaher Gärten mulchen den Boden. Eine Mulchschicht sorgt für gleichmäßige Bodenfeuchte und -temperatur, versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen und unterdrückt unerwünschte Wildkräuter.
Tipp: Als Mulchmaterial eignen sich Rasenschnitt, Laubstreu (auf Eichen- und Walnussblätter verzichten), Kompost oder Gemüseabfälle (v. a. von Blattgemüse).

11. Gute Lebensbedingungen für Nützlinge
Wer den Lebensraum nützlicher Tiere wie Igel, Hummeln oder Marienkäfer schützt, sichert sich ihre Unterstützung.
Tipp: Versteckmöglichkeiten für Igel bereithalten! Nistplätze für Insekten (Insektennisthilfen, Sand-/Lehmflächen) bereitstellen!

12. Ein Herz für den Nachwuchs
Vogelhäuser, Bienennisthilfen und Laubhaufen helfen Vögeln, Wildbienen und Igeln beim Überwintern und der Aufzucht ihrer Jungen.
Tipp: Vogelhäuser nach Süden/Südosten ausrichten! Bienennisthilfen sonnig stellen, nach Süden ausrichten und überdachen! „Unordentliche“ Ecken im Garten für die Igel lassen!

13. Eine Blühwiese lässt den Garten summen
Eine naturnahe artenreiche Blühwiese oder ein Blühstreifen sorgen für Vielfalt an Schmetterlingen, Wildbienen und anderen Insekten.
Tipp: Alten Rasen und die obersten 10 cm Erde entfernen. Stattdessen: 10 cm Sand + 2 cm Lehm + einheimische Blumenmischung! Einsaat ab Ende März, ein- oder zweimalige Mahd pro Jahr (Ende Juni/September)!

14. Totes Holz schafft neues Leben
Holzhaufen, Benjeshecken & Co. sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Arten. Ein abgestorbener Baum bietet Nist- und Futtermöglichkeiten für zahlreiche Vögel (Specht, Eule, Fledermaus).
Tipp: Benjeshecken (linienförmig aufgeschichtete Äste) als natürliche Abgrenzungen verwenden und damit zugleich Gehölzschnitt sinnvoll verwerten. Zur Verschönerung der Optik mit Kletterpflanzen bewachsen.

15. Lebendige Steine Trockenmauer
Steinhaufen und Trockenmauern bieten zahlreichen Arten (v. a. Insekten, Reptilien und Amphibien) Unterschlupf; Steingartengewächse sorgen für leuchtende Farbakzente.
Tipp: Pflanzen passend zum Gestein (basisch, neutral, sauer) auswählen und heimische Arten einsetzen!

16. Mischkulturen
Wechselwirkungen zwischen Pflanzen nutzen: Einige Küchen- und Wildkräuter verbessern die Widerstandskraft von Gemüsepflanzen. Die Duftstoffe irritieren Schadinsekten, während Nutzinsekten angezogen werden.
Tipp: Es gibt zahlreiche positive Wechselwirkungen, zum Beispiel: „die drei Schwestern“ – Mais, Bohnen, Kürbis (Rankhilfe, Stickstofflieferant, Bodenbedecker).
Mehr Informationen bieten die Infoblätter „Naturgarten praktisch“ der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA).

Tipps für lebendige Balkone

Tipps für lebendige Balkone

Es gibt viele Möglichkeiten naturnah zu gärtnern – auch auf der beengten Fläche eines Balkons!

„Dafür ist mein Balkon zu klein!?“ Es gibt immer etwas Platz. Diese Tipps helfen Ihnen, einen ganz individuellen Ort der Ruhe inmitten der Stadt zu schaffen:

1. Balkonpflanzen brauchen leichte, torffreie und nicht überdüngte Erde
Herkömmliche Blumenerde ist häufig ungeeignet. Bewährt haben sich eine Mischung aus sandigem Lehm, Grünkompost sowie leichtem Blähton, Lava- oder Bimsstein (um die Bodenstruktur zu lockern).

2. Balkonpflanzen brauchen Dünger
Durch den beengten Wurzelraum werden Nährstoffe schnell aufgebraucht. Abhilfe schaffen organische Düngemittel, wie Hornspäne, Kleedünger, Pflanzenjauchen oder der Flüssigdünger des Bokashi (s.u.).

3. Balkonpflanzen brauchen Pflege
Das Abknipsen verwelkter Blüten verhindert die Samenbildung und es kommt häufiger zu einer zweiten Nachblüte. Ungewünschte Wildkräuter sollten per Hand entfernt werden, denn giftige Unkrautmittel schaden mehr als sie helfen.

4. Balkonpflanzen brauchen wenig Platz
Es gibt zahllose Pflanzenarten, die klein bleiben und nicht wuchern. Zahlreiche Gartencenter bieten hierzu Beratung an. Folgendes sollte beachtet werden: Die Pflanzen haben einfache (nicht überzüchtete) Blüten und stammen aus heimischer Herkunft. Der Vorteil: Sie locken mehr Nützlinge an und sind an das hiesige Wetter angepasst.

5. Balkonpflanzen brauchen nicht viel
Blumentöpfe können aus verschiedenem Material hergestellt werden. Um Material und Geld zu sparen, eignen sich auch alte Dinge, wie Kisten, Säcke, Dosen, Rohre uvm. Das Internet bietet hierzu viele kreative Ideen.

6. Balkonpflanzen brauchen Mulch
Die Erde in Balkontöpfen kann nur wenig Wasser speichern. Um häufiges Gießen zu vermeiden, hilft eine Mulchschicht. Sie verringert die Verdunstung des Wassers und versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen.

7. Balkonpflanzen freuen sich über nette Nachbarn
Auch auf einem Balkon können Vogelhäuser, Nisthilfen für Wildbienen und mehr aufgestellt werden. Dadurch sichern Sie sich die Unterstützung dieser Nützlinge.
Weitere Tipps zum naturnahen Gärtnern bieten die Infoblätter „Naturgarten praktisch“ der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA).

Schutz vor Schädlingen

Tipps für einen ökologischen Schutz vor unliebsamen Gästen

Schaffen Sie in Ihrem Garten die richtige Umgebung, damit Schädlinge fern bleiben und sich Nützlinge wohl fühlen. Was können Sie tun?

Kampf gegen Blattläuse, Spinnmilben & Co.
Marienkäfer, Schlupfwespen und Ohrwürmer sind fleißige Blattlausvertilger. Holzhaufen und Reisighecken bieten ihnen ideale Rückzugsorte. Ohrwürmer helfen auch gegen Spinnmilben. Sie können mithilfe von Ohrwurmtöpfen angesiedelt werden. Vögel (z.B. Meisen) fressen Blattläuse. Sie können mit einem Nistkasten und Meisenknödel (im Winter) angelockt werden. Befallene Pflanzen können auch mit Brennnesselsud / Spülmittel von Läusen befreit werden.

Kampf gegen Ameisen
Hausmittel nutzen: Starke Gerüche (z.B. Teebaumöl, Nelken, Eukalyptusöl, Knoblauch, Essig, Lavendelblüten, Zimt, Kaffesatz, Chilipulver oder Zitronenschalen) vertreiben Ameisen. Auch duftende Pflanzenarten können helfen, zum Beispiel Tomaten, Lavendel, Farn, Wacholder, Kerbel, Majoran. Kreidepulver oder Kalk helfen als zusätzliche Barriere. Wenn keine dieser Maßnahmen Wirkung zeigt, das Nest wiederholt mit (kochendem) Wasser fluten.

Blattläuse vertreiben
Ameisen „melken“ Blattläuse für ihren Honigtau. Wenn Blattläuse verschwinden, gehen auch die Ameisen.

Ameisenstaat umsiedeln
Einen mit Holzwolle gefüllten Blumentopf kopfüber auf den Eingang des Baus stellen. Die Königinnen bevorzugen diese Umgebung und ziehen oft mit ihrem ganzen Nest um. Nach ein paar Tagen einen Spaten unter den Topf schieben, anheben und in ein größeres Behältnis umlagern. Diesen zu einem Ort tragen, an dem sie nicht mehr stören (mindestens 30 m entfernt).

Kampf gegen Schnecken
Richtig gießen (nicht jeden Tag ein wenig, sondern alle 2-3 Tage ordentlich gießen).
Natürliche Feinde von erwachsenen Schnecken ansiedeln: Igel, Spitzmäuse, Vogelarten wie Amseln oder Stare, außerdem Erdkröten und Blindschleichen können mit Holzhaufen / Reisighecken / Hecken angesiedelt werden.
Natürliche Feinde von Jungschnecken und Eigelegen ansiedeln: Laufkäfer und ihre Larven, Glühwürmchen und ihre Larven sowie Hundertfüßer können u.a. mit Holzhaufen / Reisighecken angesiedelt werden.
Abschrecken durch Pflanzen und Extrakte, z.B. Bohnenkraut und Kamille.
Trockenheit ist der Feind von Schnecken. Bei Schneckenbefall nicht mulchen!

NaturGut Ophoven Auszeichnungen