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Forschungs- und Praxisprojekt "Familien in der Natur"

Trotz Terminstress, Medienkonsum und Indoor-Spielplatz an die frische Luft

„Wenn unsere Kinder Hühner wären, hätte schon längst irgendein Verantwortlicher eine Kampagne gestartet. Er würde bei der Regierung vorstellig werden und für unsere Kleinen eine anständige Behandlung und Einhaltung der Grundrechte fordern. Ist es zu glauben, würde er fragen, dass diese Kinder keinen Auslauf haben? Sie kommen fast nie an die frische Luft!”
Aus: Kate Blincoe, 2016: Green Parenting. Wie man Kinder großzieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird, S. 127



Projektbeschreibung und -hintergrund

Projektbeschreibung:
Das Forschungsprojekt „Familien in der Natur” hat sich zum Ziel gesetzt, mehr zu erfahren über die (De)Motivation von Familien hinauszugehen und mit den Kindern Natur zu erleben. Umfangreiche Grundlagenrecherchen sowie die intensive Zusammenarbeit mit Familien und Fachexperten während des einjährigen Projekts helfen dabei, das Freizeitverhalten einer modernen Familie besser zu verstehen, um sowohl Naturangebote als auch das Naturmarketing zeitgemäß zu gestalten. Es handelt sich um ein Modellprojekt, welches das Ziel hat, die Grundlagen zu schaffen, damit langfristig das Interesse von Familien am Naturerleben und -entdecken steigt. Mithilfe der Projektergebnisse und der Zielgruppenanalyse können auch andere Umweltbildungszentren in Deutschland ihr gesamtes Bildungsangebot weiterentwickeln und gezielter auf die Bedürfnisse von Familien eingehen, ohne dabei Umweltbildungs- und Klimaschutzziele aus den Augen zu verlieren.

„Das Projekt dient als Impulsgeber zur Weiterentwicklung von neuen Angebotsformaten und Ansprache-Methoden im Bereich Naturerlebnis”, erklärt Projektleiterin Ute Pfeiffer-Frohnert. Projektmitarbeiterin Sonja Fasbender stellt fest: „Für Fernsehen ist im Freizeit-Ideal kaum Platz – dafür umso mehr für Natur. In der Realität sieht das jedoch ganz anders aus. Hier setzen wir mit dem Projekt an.”

Projekthintergrund
Viele Studien bestätigen, was Stadtmenschen aus ihrem eigenen Alltag bereits kennen: Die Freizeit der gegenwärtigen Kindergeneration verlagert sich zunehmend nach Drinnen. Trotz der unbestritten positiven Wirkung auf die kindliche Entwicklung ist Natur bei der Entscheidung zwischen „wirklichen”, sinnlichen Naturerfahrungen und Erfahrungen in virtuellen Welten immer weniger attraktiv. Volle Terminkalender und Leistungsdruck nehmen den Kindern freie Spielzeit und Naturerlebnisse. Die vielen Bemühungen seitens der Naturschutzverbände, Umweltbildungszentren und Schulen in den vergangenen Jahren haben nicht verhindert, dass heute immer weniger Kinder und Familien in die Natur gehen. Viele Eltern sehen nicht die Notwendigkeit, Kindern diese Zeit zu geben, da Klavier, Englisch und Ballett sinnvoller erscheinen als das Spielen am Bach oder der Bau einer Hütte im Wald. Mangelnde Naturerfahrung kann jedoch in zweierlei Hinsicht problematische Auswirkungen haben. Erstens verläuft die kognitive-emotionale Entwicklung der Kinder anders, wodurch ihre Gesundheit gefährdet ist. Zweitens sind Naturerlebnisse eine notwendige Grundlage, um später die richtigen Entscheidungen für eine zukunfts- und nachhaltigkeits-orientierte Entwicklung treffen zu können. Wer als Kind selten oder nie in der Natur war, kann auch weniger damit anfangen und sieht nicht unbedingt die Notwendigkeit sie zu schützen. Das Projekt leistet daher langfristig betrachtet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele.


Eckdaten im Überblick

Projektzeitraum: 01.06.2016 – 31.08.2017 (Neu: verlängert bis 30.11.2017)
Zielgruppe des Projekts: Eltern, ihre Kinder (3-12) und die Großeltern, die pädagogischen Fachkräfte in Umweltbildungszentren und Natur- und Umweltschutzvereinen
Verbreitung: Die Projektergebnisse werden auf dieser Seite abrufbar sein und zum kostenlosen Download bereitgestellt


Projektbeteiligte

Ansprechpartnerinnen:
Ute Pfeiffer-Frohnert (Projektleitung): 02171 73499-30 oder ute.pfeiffer-frohnert@naturgut-ophoven.de
Sonja Fasbender (Projektmitarbeiterin): 02171 73499-48 oder sonja.fasbender@naturgut-ophoven.de

Fachliche Begleitung des Projektteams:
Umweltpsychologe Dr. Dirk Scheffler, Umweltpsychologische Beratung und Wirkungsanalyse

Weitere Projektberatung:
Prof. Dr. Ulrich Gebhard, Professor für die Didaktik der Biowissenschaften an der Universität Hamburg, Erziehungswissenschaftler und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut
Erik Winterberg, Geschäftsführung der Agentur elements of art in Mönchengladbach
Petra Hoffmann, Geschäftsführerin / Redaktionsleitung Känguru – Stadtmagazin für Familien
Janine Steeger, grüne Kommunikationsberaterin

Das Projekt wird gefördert aus den Mitteln der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (SUE).



Themenmappe für die Arbeit mit der Zielgruppe Familie

Die zentralen Projekterkenntnisse sind in einer Themenmappe mit dem Titel „Zielgruppe Familie! Die Bedeutung von Familien für Umweltbildungseinrichtungen“ zusammengefasst. Der Themenkomplex "Familien in der Natur" ist hier sehr anschaulich und handlungsorientiert auf fünf Seiten dargestellt. Interessierte und Multiplikatoren aus Bildungszentren können sich damit ohne großen Zeitaufwand nützliches Hintergrundwissen aneignen und die Praxisimpulse für die eigene Arbeit nutzen. Letztendlich gilt es Eltern dafür zu sensibilisieren, was ihren Kindern zu jeder Jahreszeit wirklich gut tut: nämlich Natur und Frischluftzeit.

Die fünf Karten der Mappe beschäftigen sich mit folgenden Themen:
Umweltbildungseinrichtungen und die Zielgruppe Familie: Freunde oder Fremde?
Warum tut Natur Familien gut?
Warum ist die Familie als Bildungsort so wichtig?
Was ist Familien wichtig?
Wie kommunizieren wir am besten mit Familien? Mehr Natur für Familien -  Ausgewählte Praxis-Beispiele

Die Themenmappe können Sie kostenfrei bestellen. Sprechen Sie uns gerne an!


Abschluss-Workshop am 13.07.2017

Eltern wünschen sich mehr Anleitung und Inspiration, so ein Ergebnis des Projekts „Familien in die Natur”. Gemeinsam mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Gebhard von der Universität Hamburg und dem Umweltpsychologen Dr. Dirk Scheffler sowie der Kommunikationsberaterin Janine Steeger wurden die vielfältigen Erkenntnisse des Projekts auf dem NaturGut Ophoven diskutiert.

Sinn zu tun habe und weniger mit Umweltaktivismus. Entsprechend müsse man das Thema auch vermarkten um Familien erfolgreich in die Natur zu locken.

Zur Pressemeldung

Das Bild zeigt (v.l.n.r.): Janine Steeger, Sonja Fasbender, Ute Pfeiffer-Frohnert, Prof. Dr. Ulrich Gebhard, den Leverkusener Schuldezernenten Marc Adomat und Dr. Dirk Scheffler. Sie diskutierten am 13.07.2017 bei einem Abschluss-Workshop wie Familien naturnaher werden.


Was sagt die Wissenschaft? Literaturbericht zu Familien, Freizeit und Natur

Dieser kommentierte Literaturbericht liefert einen fundierten Einblick in den Themenkomplex Familien, Freizeit und Natur. Die Recherche basiert auf verschiedenen Studien und Fachliteratur. Diese geben Aufschluss über das allgemeine Naturbewusstsein in der Bevölkerung, das Freizeitverhalten von Familien, ihren Zugang zur Natur sowie den Einfluss von Naturerfahrung auf die kindliche Entwicklung. Der Bericht verfolgt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel ist es erstens, Multiplikatoren wie Erlebnis-, Natur- und Umweltpädagogen eine Argumentationsgrundlage und Hintergrundwissen für ihre Arbeit zu bieten. Zweitens dient die Recherche als wissenschaftliche Grundlage für weiterführende Projektaktivitäten des NaturGuts Ophoven.

Zum Download


Präsentation des Projekts auf der 20. Umweltbildungswerkstatt 2017 am 21.-22. Februar in Lünen

Außerschulische BNE im Spannungsfeld voller Terminkalender, Dissonanzen und neuer Dimensionen.

Außerschulische Bildung für nachhaltige Entwicklung verändert sich immer weiter und befindet sich dabei im Spannungsfeld vielen Anforderungen gerecht zu werden. Wie kann die bisherige Zielgruppe „Familie” gehalten bzw. für die Umweltbildung wieder neu gewonnen werden? Die pädagogische Auflösung von sich widerstrebenden Ansprüchen und Wünschen in unseren Veranstaltungen bildeten so einen weiteren Schwerpunkt. Ute Pfeiffer-Frohnert und Sonja Fasbender vom Förderverein NaturGut Ophoven stellten die Ergebnisse des Projekts „Familien in die Natur” vor. Sie analysierten Beweggründe und Hemmschwellen der Zielgruppe „Familie” in ihrer Freizeit in die Natur zu gehen. Es ergab sich z.B., dass viele Freizeitaktivitäten von Familien geprägt sind von Sinnsuche und Ergebnisorientierung, so dass ein Aufenthalt in der Natur als scheinbar „zu wenig wert” eingeschätzt wird. Im Workshop ging es dann verstärkt darum, mit Praxisübungen ein Gefühl für zeitgemäßes Naturmarketing zu erhalten, durch das sich Familien angesprochen fühlen und Angebote in der Natur wahrnehmen.

Präsentation - Familien in der Natur


Angebots- und Nachfrageanalyse in der Umweltbildung

Die teil-standardisierte (nicht repräsentative) Telefonbefragung von 26 Umweltbildungseinrichtungen in ganz Deutschland zu Zielgruppen, Angeboten, Nutzung und Marketing zeigt, dass in diesen Bereichen noch große Potenziale zur Weiterentwicklung liegen. Überraschend erfolgreich - zumindest für bestehende Zielgruppen der befragten Einrichtungen - sind besonders die Angebote, die ganz klassisch das Entdecken und Erleben von Natur zum Ziel haben. Zur Gewinnung von Zielgruppen wie Familien sollten sich Umweltbildungseinrichtungen noch mehr für eine zeitgemäße und bedarfsorientierte Ansprache öffnen.

Zur vollständigen Auswertung


Wie sprechen Umweltbildungszentren Familien an? Was machen kommerzielle Freizeit-Anbieter anders?

Im Rahmen des Arbeitspakets „Analyse der Kommunikation” wurden Programmhefte und Flyer von ausgewählten Umweltbildungseinrichtungen in Deutschland gesammelt und exemplarisch analysiert. Zusätzlich gingen zum besseren Vergleich Print-Werbematerialien einiger kommerzieller Freizeit-Anbieter in die Analyse ein. Fazit: Die Konkurrenz im Freizeitbereich ist groß, das Zeitbudget vieler Familien aber sehr begrenzt. Für Umweltzentren, die Familien trotzdem zu sich locken möchten heißt es also: weg vom verstaubten Öko-Image, it’s time for change.

Printanalyse als PDF


Freizeitgestaltung und Naturinteresse von Familien: Wissenschaftliche Auswertung einer Fokusgruppendiskussion – ein Kurzbericht

Um mehr über Erfolgsfaktoren für ein positives Naturerlebnis von Familien zu erfahren, hat das Projektteam drei Familien zu einer naturpädagogischen Veranstaltung und einem anschließenden Fokusgruppengespräch eingeladen. Ziel war es, mehr über das Freizeitverhalten von Familien und ihr Interesse an Naturerlebnissen herauszufinden, damit Umweltbildungseinrichtungen ihre Angebote weiterentwickeln und diese Zielgruppe besser erreichen können.

Zusammen mit dem Beratungsbüro für Umweltpsychologie Dr. Scheffler DialogConsulting wurde das Gespräch durchgeführt und nach der Methode der dokumentarischen Interpretation wissenschaftlich ausgewertet.

Auswertung als PDF


Frischluftzeit für Familien – maßgeschneidert auf die Bedürfnisse moderner Familien

Auf Grundlage der Projektrecherchen sind vier pädagogische Angebote entwickelt worden, die die Bedürfnisse moderner Familien berücksichtigen und Lust auf mehr „Natur” machen sollen. Mit diesen vier Praxisbeispielen wird überprüft, ob die definierten Erfolgsfaktoren auch übertragbar auf andere Familien sind und ob es sich lohnt, diesen Ansatz weiter zu verfolgen. Die Ergebnisse sind übertragbar auf die Arbeit anderer Umweltbildungseinrichtungen.

Outdoor Events Frischluftzeit


Test-Angebot: Entdecker-Rucksack für Familien

Nicht jede Idee muss neu sein, um gut zu sein! Im Rahmen des Projekts haben wir einen Rucksack entwickelt und getestet, dessen Inhalte auf die Wünsche und Interessen von Familien abgestimmt sind. Ein Seil-Labyrinth für das Abenteuer, Lupen zum Entdecken und Forschen, Spielideen für ganz viel Bewegung und eine Hängematte zum Ausruhen – all dies und noch vielmehr ist in einem Rucksack samt Anleitungen verpackt. Der Entdecker-Rucksack spricht verstärkt die Familien an, die grundsätzlich interessiert sind an der Natur und am „Draußen-sein“, die sich aber Anleitung und Inspiration wünschen.

Bei Interesse können die Evaluationsergebnisse beim Projektteam angefragt werden.

Möchten Sie ein ähnliches Angebot machen? Hier finden Sie nützliche Infos:
Außenwerbung
Materialübersicht
Spielesammlung
Vorlage Evaluationsbogen

Gute Beispiele für Familienbildungsangebote in der Natur

Bislang gibt es nur sehr wenige Angebote im Themenbereich „Natur erleben“, die sich an die ganze Familie und nicht nur die Kinder richten. Die folgende Sammlung guter Beispiele erhebt keinen Anspruch  auf Vollständigkeit, sondern zeigt lediglich eine Richtung auf, wie erfolgreiches Naturerleben für Familien aussehen kann.

Zu den Beispielen


Ausgewählte Lektüretipps

Artikel

Studien

Bücher

  • Blincoe, Kate (2016): Green Parenting. Wie man Kinder großzieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird. München: Oekom.
  • Hamann, Karen / Baumann, Anna /Löschinger, Daniel (2016): Psychologie im Umweltschutz. Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handelns. München: Oekom.
  • Gebhard, Ulrich (2013): Kind und Natur: Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
  • Weber, Andreas (2013): Das Quatsch Matsch Buch. Das Aktionsbuch, großstadttauglich & baumhausgeprüft. München: Kösel-Verlag.
  • Meske, Mara (Hrsg.) (2011): „Natur ist für mich die Welt”: Lebensweltlich geprägte Naturbilder von Kindern. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

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