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Natur des Monats

August: Zu schnell für Tempo 30 

Bei einem Spaziergang über das NaturGut Ophoven zeigen sich in der Nähe der Teiche Tiere, deren Namen furchterregend klingen: Wer möchte dort wohl gern dem Augenstecher, der Teufelsnadel oder dem Pferdetod begegnen? Aber alles halb so schlimm! Die “Flieger mit den gläsernen Schwingen” stechen und beißen nicht und haben unter Fachleuten ganz andere Namen wie z.B.: Azurjungfer, Blaupfeil, Granatauge oder Prachtlibelle.

Von den faszinierenden Flugkünstlern kommen fast 10 Arten auf dem NaturGut Ophoven vor. Sie leben von anderen Insekten, die sie in rasantem Flug erbeuten. Bis zu 50 km/h schnell können sie fliegen und sind damit die schnellsten Insekten überhaupt. Auch können sie wie ein Hubschrauber in der Luft stehen bleiben, und dann plötzlich vorwärts, rückwärts, nach links oder rechts jagen. Libellen sind das perfekteste und virtuoseste Flugobjekt, das die Natur je erschaffen hat. Für die Besucher des NaturGuts Ophoven ist die angenehme Seite ihres Kunstfluges, dass sie uns den Spaziergang mückenfrei gestalten.

Einmalig aber ist nicht nur ihr Flug, sondern auch ihr Riesenauge, mit dem wie mit einem „Rundum-Weitwinkelobjektiv“ ausgerüstet sind und damit zu den am besten sehenden Insekten gehören. Damit können sie sich nicht nur alleine über die Schulter schauen, sondern sie zerlegen ihr Weltbild auch in unendlich viele Rasterpunkte und können so ihre flinken Beutetiere besser wahrnehmen.

Auch die Fortpflanzung der Libellen weist viele Besonderheiten auf. Seine Eier legt das Weibchen in Wasserpflanzen ab. Die Larven leben danach im Wasser. Dort machen sie Jagd auf andere Insektenlarven, Würmer, Kaulquappen und andere Kleinlebewesen. Die längste Zeit ihres Lebens verbringt die Libelle im Wasser. Das Larvenstadium kann je nach Art ein oder mehrere Jahre dauern. Zur Umwandlung in eine fertige Libelle kriecht die Larve an einem Pflanzenstängel aus dem Wasser und krallt sich dort fest. Noch in der Nacht platzt die letzte Larvenhaut auf und die fertige Libelle kriecht heraus. Nun müssen der Chitinpanzer und die Flügel erst einmal trocknen und die Farben sich entwickeln. Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern. In der folgenden Zeit besteht die Aufgabe der Libelle darin, sich zu paaren und – für die Weibchen -  Eier abzulegen. Ihren schwirrenden Flug im Sonnenschein kann sie danach noch einige Wochen genießen und bieten uns dabei wunderbare Anblicke.

Juli: Kleiner König mit großer Klappe – der Zaunkönig

Bei einem Spaziergang über das NaturGut Ophoven begleiten uns zurzeit  laute und eindringliche Vogelrufe. Beim genauen Hinschauen entdeckt man vielleicht die kleinen „Krachmacher“. Es sind nämlich z.B. junge Zaunkönige, die in diesen Tagen ihr Kugelnest verlassen haben, im Geäst sitzen und laut nach ihren Eltern rufen. Diese flitzen eifrig umher auf der Suche nach kleinen Insekten und Raupen, um die immer hungrigen Schnäbel ihrer Kinder zu stopfen.
 
In einigen Gärten unserer Stadt gibt es den kleinen Kobold noch häufig. Am wohlsten fühlt er sich, wenn hier Hecken, Sträucher, Blumenwiesen, ungespritzte Rabatte, Reisighaufen oder Strauchschnittreste vorhanden sind. Oder vielleicht findet er auch einen speziellen Zaunkönignistkasten, eine Nistkugel, die nicht zu hoch an einer geschützten Stelle für ihn angebracht wurde.
Sein laut schmetterndes Lied gibt er auch bei Frost und Schnee zum Besten. Die kalten Winternächte verbringt er zusammengekuschelt mit seinen Artgenossen in seinem selbstgebauten gut isolierten Kugelnest. Das Nest  besteht aus Blättern, Ästen und Moos.
 
Schon früh im Jahr beginnt das Männchen mit dem Bau des handballgroßen Kugelnestes mit seitlichem Eingang. Es baut etliche „Spielnester“, die er seiner Auserwählten singend und balzend anbietet. Vom Weibchen wird das Nest - nach Hausfrauenart - mit Haaren und Federn gemütlich ausgepolstert wird. So viel Arbeit! Dabei misst der selbstbewusste Vogelzwerg vom Schnabel bis zur Schwanzspitze gerade einmal 9,5 Zentimeter und wiegt kaum 10 Gramm.
 

Juni: Die etwas anderen Bienen vom NaturGut Ophoven

In den letzten Wochen gab es auf dem NaturGut Ophoven reges Leben und Treiben. Nicht nur Schul- und Kindergartenkinder erfüllten das Gut mit Leben.
Nein, es summte und brummte, dass es eine Freude war. Bienen und Hummeln flogen die Blüten an, um sich und ihre Brut mit Nektar – sprich Nahrung zu versorgen.
Erfreulicherweise gibt es neben den bekanntesten nützlichen Insekten, der Honigbiene und  der Wespe auch noch einige andere – unbekanntere – „Flugobjekte“ zu sehen. Entgegen so mancher Vermutung sind sie kein „Ungeziefer“, sondern sind sehr wichtige Helfer bzw. Helferinnen bei der Bestäubung der Blüten und im Kreislauf der Natur, nämlich die Wildbienen oder Solitärbienen.
 
Während die Bienen und Hummeln, die wir kennen, Staaten bilden, wobei die Honigbiene als das älteste „Haustier“ des Menschen gilt, leben die Wildbienen, wie schon der Name sagt, „wild“. Und das Besondere: Sie sind Singles, leben also allein ohne einen Staat versorgen zu müssen. Einzig und allein für ihren eigenen Nachwuchs müssen sie sorgen. Und das machen sie so: Sie suchen sich eine Röhre, zum Beispiel Röhren eines Reetdaches, Löcher in alten Bäumen, Bambus eines Windspiels oder kahle Stellen im Rasen, tragen einen Nahrungsvorrat an Pollen und Nektar ein, legen ein Ei hinein und verschließen dieses „Kinderzimmer“. So machen sie es hintereinander mit mehreren (ca. 4 – 30) Eiern. Wenn der Nachwuchs schlüpft findet er direkt einen reich gedeckten Tisch vor. Den Nahrungsvorrat verzehrt die Larve in einigen Wochen, verpuppt sich dann, entwickelt sich ohne weitere Pflege und schlüpft üblicherweise erst im nächsten Jahr.
 
Dann verlässt sie diesen geschützten Raum und beginnt ihre sehr geschätzte Arbeit. Dabei übernimmt sie einen großen Teil der Bestäubung der Pflanzen. Die Solitärbienen sind mit in Deutschland ca. 500 Arten die größte Gruppe der Insekten, die dafür sorgen, dass uns unsere pflanzliche Nahrung zur Verfügung steht. Damit sie gut leben können, stehen Ihnen auf dem NaturGut Ophoven mehrere Unterkünfte „Insektenhotel‘s“, wie man sie auch im Privatgarten aufstellen kann,  zur Verfügung.
 

Mai: Kein Schaumschläger – das Wiesenschaumkraut

Bei einem Spaziergang am Oulusee verwöhnt zur Zeit eine zartlila blühende Pflanze das Auge des Betrachters. Das hier natürlich vorkommende Wiesenschaumkraut verwandelt einen Teil der Wiese in ein kleines Blütenmeer, so als sei die Wiese mit einem zartlila Schaum überzogen. Wenn die Wiese etwas feucht ist, (sie liegt ja auch am See), kann dort das Wiesenschaumkraut, das vermutlich seinen Namen daher erhalten hat, wachsen. Die meisten Wiesen sind jedoch heutzutage entwässert, so dass wir diese zierliche Wiesenblume, die 2006 zur Wiesenblume des Jahres gekürt worden war, nicht mehr so gehäuft in Leverkusen vorfinden.

Es gibt noch eine andere Erklärung für die Herkunft des Namens: Ein Insekt, welches das Wiesenschaumkraut gerne aufsucht, ist die Wiesenschaumzikade. Diese ernährt sich von dem Saft der Blätter. Außerdem legt sie ihre Eier an die Blätter des Krautes. Die kleinen Raupen saugen ebenfalls den Pflanzensaft. Zur Tarnung und um nicht auszutrocknen, umgeben sich die Raupen mit einem Schaumnest, was dem Insekt seinen Namen eingebracht hat. Dieser Schaum wird als „Kuckucksspeichel“, von Kindern gern auch als „Hexenspucke“ bezeichnet.
„Auch der schmucke Aurorafalter nutzt das Wiesenschaumkraut als Nahrungspflanze“ sagt die Naturexpertin Ursula Heinrichs vom NaturGut Ophoven. Dieser orange und weiß gezeichnete Schmetterling ernährt sich vorwiegend vom Nektar der Pflanze. Seine Larven genießen die Blätter. Für uns Menschen ist das Wiesenschaumkraut ebenfalls essbar. Mit seinen würzigen, kresseartig schmeckenden Blüten kann man jeden frischen grünen Salat dekorieren und würzen. Der hübschen Pflanze kann man auch leicht im Garten eine Heimat anbieten. Meist reicht es schon, ein nicht ganz so trockenes Stück Rasen erst Mitte Mai zu mähen. Dann kann das attraktive Wiesenschaumkraut auch im eigenen Garten blühen und die hübschen Schmetterlinge anlocken.

April: Leverkusen blüht!

Anfang April kann bei einem Frühjahrsspaziergang einem Waldbesucher plötzlich das Herz aufgehen. Denn in einigen Leverkusener Wäldern blüht großflächig ein weiß-rosa Teppich auf dem Waldboden. „Die Buschwindröschen auch auf dem NaturGut Ophoven als erste leuchtende Frühlingsboten lassen mich an Goethe denken „Wie herrlich leuchtet mir die Natur....” sagt begeistert die Naturexpertin Ursula Heinrichs vom Förderverein NaturGut Ophoven.

Die Buschwindröschen müssen sich mit dem Blühen beeilen, denn nur solange die Bäume noch unbelaubt sind, erhalten die Blüten genügend Licht. In einem unterirdischen Wurzelstock haben diese zarten einheimischen Pflanzen ihre „Vorratskammer”, aus der sie die frühe Blühkraft erhalten. Außerdem hat die zur Familie der Hahnenfußgewächse gehörende Pflanze tierische Helfer. Bienen und Fliegen sorgen für die Bestäubung, Ameisen für die Verbreitung. Je nach Lage kann die Blütezeit bis Mai andauern. Aber eins sollte man beachten: Die Pflanze ist in allen Teilen giftig und geschützt und sollte keinesfalls abgepflückt werden.

Ebenfalls ein typischer Frühblüher in den Leverkusener Laubwäldern ist der Lerchensporn. Allerdings ist er nicht so weit verbreitet, teils sogar selten. Von März bis Mai findet man bei uns den „gefingerten”, noch seltener den „Hohlen Lerchensporn”. Hohl heißt er, weil seine Wurzelknolle hohl ist. Den Namen Lerchensporn hat er erhalten, weil seine gefingerten Blätter an die Krallen der Haubenlerche erinnern. Die Blütenfarbe kann weiß, violett oder blaßrot sein. Zur Verbreitung ist der Lerchensporn ebenfalls auf die Mitarbeit der Ameisen angewiesen. Auch diese Pflanze ist giftig und sollte keinesfalls gepflückt werden. Ihr Gift kann sogar helfen, es wird zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet.