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Wohnungsnot beim Wetterfrosch

In Nordrhein-Westfalen schreitet der Klimawandel mit so hoher Geschwindigkeit voran, dass viele Arten mit diesem Tempo nicht mithalten können. Besonders schwierig wird es für die Tiere, in der sich rasant verändernden Landschaft neue Lebensräume zu finden.

Amphibien, wie der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea), werden mit diesem Problem gleich doppelt konfrontiert. Je nach Jahreszeit und Entwicklungsstadium bevorzugen sie Gebiete auf dem Land oder im Wasser. Von besonderer Bedeutung für die Fortpflanzung sind hierbei die Laichgewässer. Also Tümpel und Teiche, in denen die Tiere ihre Eier ablegen. Als Folge zunehmender Sommerhitze ist mit einem starken Rückgang dieser Gewässer zu rechnen.

Der Wasserspiegel der verbleibenden Gewässer sinkt und die damit erhöhte Nähr- und Schadstoffkonzentration kann sich negativ auf die Entwicklung der Larven auswirken. Die Larven sind an die hohen Nähr- und Schadstoffwerte nicht gewöhnt. Außerdem können die höheren Konzentrationen den Pflanzen schaden, die als Nahrung für die Larven dienen. Daneben besteht die verstärkte Gefahr, dass gerade kleinere Gewässer komplett austrocknen bevor die Larven ihre Verwandlung vollzogen haben.

Seit 1999 versucht das NABU-Programm „Ein König sucht sein Reich” das Überleben des Europäischen Laubfrosches zu sichern: http://nrw.nabu.de/projekte/laubfrosch.

Zu schnell für Tempo 30

Die Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas) ist eine in NRW beheimatete Libelle, die sich am liebsten in feuchten Mooren aufhält. Zwischen Juni und August legt dieser Luftkünstler seine Eier ab. Dazu sticht die Glänzende Binsenjungfer mit ihrem Legestachel in den Stängel einer lebenden Pflanze ein. Das Ei überwintert dann in dieser Pflanze, deren Saft es vorm Austrocknen schützt. Die Larven schlüpfen für gewöhnlich im Frühling. Sie sind nach 5-7 Wochen voll entwickelt und legen selbst Eier ab. Das ist wichtig, um die Art zu erhalten, da nur die Eier und nicht die fertig entwickelten Libellen überwintern können.

Die Glänzende Binsenjungfer könnte sowohl von den Folgen des Klimawandels profitieren, als auch von diesen ernsthaft bedroht werden. Zukünftig ist mit Temperaturerhöhungen und geringerem Niederschlag im Sommer zu rechnen. Größere Tümpel und Teiche verlieren somit im Sommer zunehmend an Wasser. Es entstehen vermehrt flache Wasserbereiche, die die Glänzende Binsenjungfer bevorzugt zum Ablegen ihrer Eier nutzt. Jedoch kann bei einer zu frühen kompletten Austrocknung dieser Fortpflanzungsgewässer die Entwicklung der Larven nicht mehr abgeschlossen werden.

Eine weitere Folge des Klimawandels sind wärmere Frühjahrsmonate. Diese ermöglichen es der Libelle, früher zu schlüpfen und sich früher voll zu entwickeln. Der längere Sommer und der vergleichsweise kurze Zeitraum, den die Glänzende Binsenjungfer für die Entwicklung von der Larve zur Libelle braucht, begünstigen so mitunter die Entwicklung einer zweiten Generation. Diese zweite Generation profitiert vom längeren Sommer und legt ihre eigenen Eier ab. Die sommerlichen Temperaturen halten zukünftig länger an als heute. So könnten die Larven verfrüht im Herbst, anstatt im Frühling das Ei verlassen.

Beobachtungen aus Südeuropa zeigen, dass solch eine Verschiebung kein Problem sein muss. Bei uns ist allerdings noch unklar, ob der Larve die Zeit bis zum Wintereinbruch ausreicht, um sich vollständig zu entwickeln und die Eier für die nächstjährige Generation abzulegen.

Mehr zum Thema: http://www.bund.net/themen_und_projekte/biologische_vielfalt/libellenschutz/service/broschuere

Matschwetter schlägt auf die Gesundheit!

Früher in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet, ist der Dukatenfeuerfalter (Lycaena virgaureae) heutzutage nur noch im Sauerland und Siegerland zu finden. Dort bevorzugt der Schmetterling hoch gelegene Waldlichtungen. In letzter Zeit ist ein Rückzug der Art in höhere Lagen der Mittelgebirge zu beobachten.

Der Dukatenfeuerfalter ist die einzige Feuerfalterart, bei der die Raupe im Ei überwintert. Gerade diese Besonderheit könnte dem Schmetterling zukünftig zum Verhängnis werden. Die Eier werden bereits im Juli bodennah auf ausgetrockneten Pflanzenteilen (bevorzugt Ampfer-Arten) abgelegt. Kalte Temperaturen und Schnee übersteht das Ei unbeschadet. Da die Winter immer wärmer und feuchter werden, ist das Ei über einen längeren Zeitraum Regen- und Schmelzwasser ausgesetzt. Dies könnte negative Folgen für die Entwicklung der Larven haben.

Das endgültige Aus fürs Wiesenkonzert?

Die Zwitscherschrecke (Tettigonia cantans) wird auch Zwitscherheupferd genannt. Warum? Ihr Kopf ähnelt dem eines Pferdes! Mit einer Größe von über 3 cm ist sie die zweitgrößte Heuschrecke unserer Region.

Das typische Zirpen dieser Art beginnt gegen Mittag und dauert bis in die späten Abendstunden. Um diese Laute zu erzeugen, reibt die Zwitscherschrecke beide Vorderflügel aneinander. Mit dem „Gesang” lockt das Männchen ein Weibchen aus bis zu über 40 m Entfernung an. Während der Paarungszeit versuchen sich die Männchen mit ihrem Zirpen gegenseitig zu übertrumpfen. Das Ergebnis dieses Wettkampfes ist ein stimmreiches Wiesenkonzert, das Zuhörer in einem Umkreis von 100 m erreicht.

150 bis 190 Eier legt diese Heuschreckenart nach der Paarung ab. Die Entwicklung der Eier kann mitunter 2 Jahre dauern. Für die Eiablage benötigt die Zwitscherschrecke einen möglichst feuchten Boden. Aufgrund wärmerer Temperaturen ist mit einem Rückgang dieser feuchten Bodenflächen zu rechnen. Die Zwitscherschrecke findet immer weniger geeignete Plätze für ihre Eier. Daher wird es immer weniger Nachkommen geben.

Batman ist ein Nimmersatt

Gerade einmal 5 cm misst der Rumpf der kleinen Bartfledermaus (Myotis mystacinus) und das bei einer Flügelspannweite von bis zu 20 cm. Damit gehört diese Spezies zu den kleinsten der bei uns beheimateten Fledermausarten.

Ihr Lebensraum erstreckt sich vom Mittelmeerraum bis in den hohen Norden. Somit ist die kleine Bartfledermaus angesichts steigender Temperaturen äußerst anpassungsfähig. Auch in Bezug auf ihren Lebensraum ist diese Art recht flexibel. Sie lebt in der Außenverkleidung von Gebäuden oder in der Hauswandspalte. Sollte sich dort etwas verändern, sucht sich die kleine Bartfledermaus rasch ein neues Heim.

Auch wenn der Fledermaus der Temperaturanstieg nicht direkt zu schaffen macht, wird sie als Verlierer des Klimawandels eingestuft, denn sie muss mit einem insgesamt eingeschränkten Nahrungsangebot zurechtkommen. Obwohl das Nahrungsspektrum der kleinen Bartfledermaus recht groß ist, werden viele der geliebten Nachtfalter in Folge der Sommertrockenheit verschwinden. Somit könnte der Bestand dieser Art auch bei uns in Leverkusen gefährdet sein.

Held der Unterwelt

Unser heimischer Maulwurf (Talpa europaea) ist als größter Feind des Gärtners verschrien. Die Hügel, die überall dort entstehen, wo der Maulwurf seine unterirdischen Gänge baut, stören das Bild eines gepflegten Gartens. Doch sein schlechter Ruf wird den nützlichen Seiten dieses fast blinden Tieres nicht gerecht.

Ein Maulwurf auf dem Grundstück ist nämlich ein Zeichen für gesunden Boden und zugleich ein praktischer Schädlingsbekämpfer: Von Schnecken bis Insektenlarven frisst er alles was ihm in die Gänge gerät. Wobei er Regenwürmer ganz klar allem anderen vorzieht! Die Hälfte seines Körpergewichts – also 50 g - muss der Held der Unterwelt aufgrund seines extrem hohen Stoffwechsels täglich verdrücken.

Mit fortschreitendem Klimawandel wird es immer schwieriger, diesen immensen Nahrungsbedarf zu decken. Die heißen, trockenen Sommer werden besonders den Insektenbestand maßgeblich verringern. Außerdem bedroht die Sommertrockenheit den Lebensraum des Maulwurfs. Bevorzugt gräbt er in feuchten Böden, weil hier seine Gänge besonders stabil werden. In trockenen Böden würde sein trautes Heim in sich zusammenfallen. Sollte es in den kommenden überwiegend trockenen Sommer jedoch regnen, dann so gewaltig, dass der Starkregen sein Zuhause überfluten und zerstören könnte. Auch wenn der Maulwurf heute noch so gut wie flächendeckend in NRW vorkommt, gilt sein Bestand für die Leverkusener Region zukünftig als nicht gesichert.

Der NABU hat 2005 eine Sammlung an Bildern, Geschichten und Gedichten rund um den Buddelweltmeister zusammengestellt: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/saeugetiere/aktionen/03418.html

Dachsbau für die Ewigkeit

Tief im Untergrund ziehen die Bauten des europäischen Dachs (Meles meles) großflächige Bahnen. Diese Tunnelsysteme halten sich unter den meisten deutschen Wäldern versteckt. Obwohl er so weit verbreitet ist, bekommt kaum ein Mensch diese Marderart in freier Wildbahn zu Gesicht.

Der Dachs ist nämlich vor allem nachts aktiv. Dann werkelt er an seinem Bau, dessen Gänge und Stuben bis zu 5m unter der Erde liegen können. Außerdem ist der Dachsbau so robust, dass so manch einer schon auf 100 Jahre geschätzt wurde. Wenn er nicht gerade an seinem Heim baut, begibt sich der Dachs auf Nahrungssuche.

Für ein Mitglied der Marderfamilie, hegt der Dachs einen erstaunlich vegetarischen Lebensstil: Drei Viertel seiner Nahrung sind pflanzlich. Den übrigen Nahrungsbedarf deckt der Dachs mit Würmern, Insekten, Schnecken, kleinen Vögeln oder Mäusen. Damit ist er, was die Speisekarte angeht, reichlich flexibel. In Zukunft wird er aber auf sein Leibgericht, die Regenwürmer, verzichten müssen. Die fallen leider der Sommertrockenheit zum Opfer.

So leicht wie drei Gummibärchen

Als eine der kleinsten Säugetiere unserer Region misst die Waldspitzmaus (Sorex Araneus) gerade einmal 6,5 cm und wiegt oft nicht mehr als 6 g. Wobei sie täglich, aufgrund ihres hohen Stoffwechsels, ca. 5 g, also 80 % ihres Körpergewichts, an Nahrung zu sich nehmen muss.

Auf der Suche nach Essbarem streift die Waldspitzmaus über den Boden feuchtkühler Gebiete. So ist sie unter anderem in Uferbereichen, Quellgebieten, feuchten Wäldern oder Sumpfwiesen anzutreffen. Doch auch in Laubwäldern bieten entwurzelte Bäume und eine abwechslungsreiche Bodenoberfläche einen attraktiven Lebensraum.

Erspäht die Waldspitzmaus einen Regenwurm, fackelt sie nicht lange und verputzt ihn in Windeseile. Neben Regenwürmern reicht ihr Speiseplan von Schnecken über Insekten bis hin zu Spinnen und anderen Kleintieren. Als Folge längerer Dürreperioden in den Sommermonaten wird das Nahrungsangebot auch für die Waldspitzmaus stark eingeschränkt werden.

Bettruhe ab Oktober

Seinen Namen verdankt der Siebenschläfer seinem siebenmonatigen Winterschlaf. Von Oktober bis Anfang Mai schläft er in Felsspalten, den Wurzeln von Bäumen oder im Gemäuer von Hauswänden. Die tiefe Ruhe ist sein Weg den Winter zu überleben.

Seine Lebensfunktionen schraubt er hierbei auf ein Minimum zurück. So sinkt seine Körpertemperatur von 35°C auf 3°C. Auch der Herzschlag fällt von 450 auf 35 Schläge pro Minute. In diesem Zustand kann es schon mal passieren, dass der schlafende Siebenschläfer für einige Minuten gar nicht atmet.

Die Reduktion der Lebensfunktionen ermöglicht ihm, 7 Monate lang von den Fettreserven, die er sich im Sommer angefressen hat, zu leben. Voraussetzung für seinen Winterschlaf sind Temperaturen zwischen 0°C und 10°C. Nur dann kann er seine Körperaktivität auf dieses Minimum beschränken.

In Zukunft könnten wärmere Winter diese Ruhephase erheblich stören. Höhere Temperaturen wecken den Siebenschläfer leicht auf und im wachen Zustand braucht er mehr Energie. Passiert dies den Winter über häufiger, reicht der Sommerspeck nicht bis in den Frühling und der Siebenschläfer beendet seinen Winterschlaf frühzeitig. Ob dann schon genügend Nahrung vorhanden ist, wird sich in Zukunft zeigen.
   

Letzter Aufruf für den Gelbspötter

Der kalendarische Frühlingsbeginn ist bei uns ja bekanntermaßen der 21. März. Zu diesem Zeitpunkt sollten mildere Temperaturen das Winterende verkünden. Aufgrund des Klimawandels verändert sich der Beginn der verschiedenen Jahreszeiten. So sind zukünftig die Zeichen des Frühlings, wie die Blüte bestimmter Pflanzen oder das Schlüpfen einzelner Insektenarten, schon früher zu beobachten. Das ist vor allem für Langstreckenzieher, also Zugvögel, deren Wintersitz mehr als 4000 km vom Sommerquartier entfernt liegt, ein echtes Problem.

Der Gelbspötter (Hippolais icterina) gehört zu den betroffenen Arten. Seine Abflug- und Rückflugzeiten sind, wie bei den meisten Zugvögeln, fest in den Genen gespeichert. Sie fliegen also immer zum gleichen Zeitpunkt die gleiche Strecke von Mitteleuropa bis in den Süden Afrikas unterhalb der Sahara. Normalerweise ist diese genetische Programmierung von Vorteil: Neue Generationen wissen intuitiv was wann zu tun ist. Angesichts des Klimawandels könnte diese genetische Fixierung zum Nachteil werden. Es dauert einige Generationen bis sich der genetische Code auf den früheren Frühlingsbeginn eingestellt hat.

So könnte der Gelbspötter zukünftig zu den chronischen Zuspätkommern unter den Vögeln gehören: Wenn er zukünftig aus dem Süden nach Leverkusen zurückkehrt, verpasst er den perfekten Zeitpunkt für Brutpunkt. Aufgrund des früheren Frühlingbeginns sind sämtliche Larven, die er an den Nachwuchs verfüttert, bereits geschlüpft und geeignete Brutplätze schon an andere werdende Eltern vergeben.

Besondere Jagdmethoden

Zu Ostern gehören ganz klar bunt gefärbte Eier. Ob blau, grün, violett oder gelb ist hierbei reine Geschmackssache. Die Farbe der Eier des Trauerschnäppers hingegen haben eine tiefere Bedeutung: Alle Eier sind blau. Der Grad der Färbung gibt aber Auskunft über den Zustand des Abwehrsystems der Nachkommen. Getreu dem Motto je intensiver die Färbung, desto robuster das Immunsystem!

Genauso wie der Gelbspötter, ist auch der Trauerschnäpper ein Zugvogel, der im tropischen Afrika sein Winterquartier bezieht. Wie bei den meisten Zugvögeln ist sein Flugablauf fest in den Genen gespeichert. Damit steht ganz fest, wann welche Route genommen wird.  Eigentlich ist diese genetische Programmierung von Vorteil: Neue Generationen wissen so intuitiv was wann zu tun ist.

Angesichts des Klimawandels könnten die vererbten Reisepläne zum Nachteil werden. Es dauert einige Generationen bis sich solch ein genetischer Code an veränderte äußere Einflüsse angepasst hat. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der frühere Frühlingsanfang. Wenn der Trauerschnäpper aus Afrika wiederkehrt, ist es schwierig genügend Nahrung für die Aufzucht der Jungen zu finden. Denn für die Fütterung seiner Brut benötigt der Trauerschnäpper vor allem Insektenlarven. Doch aufgrund wärmerer Apriltage hat sich ein Großteil dieser Larven schon weiterentwickelt. Der Trauerschnäpper hat zwar seinen Rückflug schon um 10 Tage vorverlegt. Doch das ist anscheinend immer noch zu spät.

Boten des Sommers

Ihren Brutplatz sucht die Rauchschwalbe in der Regel im Innern von Gebäuden. An Hauswänden im Gebäudeinnern oder an Balkonen baut sie ihr Nest aus lehmiger Erdmasse, die mit Speichel und Grashalmen gemischt wird. Um überhaupt in die Häuser hereinzukommen, nutzte sie in vergangenen Jahrhunderten häufig eine Öffnung in der Hauswand als Eingang. Durch diese wurde normalerweise der Rauch der Herdstelle rausgeleitet. Damit war ihr Name geboren.

Häufig findet man mehrere Rauchschwalbennester nebeneinander in unmittelbarer Nachbarschaft. Es wird jedoch immer schwieriger, geeignete Brutplätze zu finden und zu bauen: Die Dörfer, in denen die Bedingungen am günstigsten sind, werden immer weniger und asphaltierte Straßen erschweren den Zugang zu lehmigem Boden. Hängt das Nest doch einmal stabil an der Wand, legt die Rauchschwalbe ab Mitte April die ersten Eier. Bis zu zweimal brütet sie in einer Saison. Wobei sie bei der Aufzucht der zweiten Brut auf die Unterstützung der älteren Jungen setzen kann.

Probleme macht ihr jedoch die Fütterung der Vogelkinder. Die durch den Klimawandel bedingten wärmeren Sommer könnten vielen Insekten zu Leibe rücken. Gerade diese aber braucht die Rauchschwalbe für die Fütterung ihrer Jungen.

So bunt kann nur der Eisvogel sein

„Flussjuwelen”, was für ein passender Name für den schillernden Eisvogel (Alcedo atthis). Der nimmt sich täglich etwa 2 Stunden Zeit für die Pflege seines türkisblauen und orangen Gefieders: Zuerst wird gebadet und dann fettet er mit Hilfe der Bürzeldrüse sein Federfell. So durchnässt es nicht, wenn der Eisvogel den nächsten Fisch erlegt. Der Eisvogel ernährt sich fast ausschließlich von kleinen Fischen (4-7 cm), die er in seinem steilen Jagdflug aus dem Wasser fischt.

Überall da, wo dieser fliegende Edelstein sich niederlässt, ist das Wasser von bester Qualität. Somit kommen nur etwa 10% der stehenden oder ruhig fließenden Gewässer in Deutschland als Lebensraum in Frage. Nur in solchem Gewässer findet er seine Nahrungsgrundlage Fisch. Und vor allem kann der Eisvogel die kleinen Fische hier auch aus Entfernung unter der Wasseroberfläche erkennen. Die Platzbegrenzung führt dazu, dass so manches Gebiet schwer umkämpft wird. Der Eisvogel ist nämlich ein überzeugter Einzelgänger, der seinen 3-4 km langen Uferabschnitt ganz für sich allein haben will. Nur zur Paarung zwischen Februar und März lässt er sich mit einem Artgenossen ein. Selbst wenn die Jungen geschlüpft sind, leben die Eltern mitunter einige Kilometer voneinander entfernt in ihren eigenen Gebieten.

Bei den Eisvögeln kümmert sich das Männchen um die Aufzucht und Fütterung der Jungen. Sie leben die ersten Tage in ihrer Bruthöhle, die von den Eltern in Uferböschungen oder Steilufern gebaut wird. Die zunehmenden Hochwasser drohen seine Kinderstube zu zerstören. Fast wäre der gesamte Eisvogelbestand Deutschlands in der Vergangenheit bereits den kalten Wintern zu Opfer gefallen. Gerade stehende Gewässer frieren schnell zu. Die Eisschicht trennt den Eisvogel von seiner Nahrung, er verhungert. Aufgrund der wärmeren Winter dürfte das in Zukunft keine Gefahr mehr sein und der Eisvogel könnte genauso gut zu den Gewinnern des Klimawandels gehören.

2009 hat der NABU den Eisvogel zum Vogel des Jahres erklärt und alles Wissenswerte in einem Podcast zusammen gestellt: nabu-podcast.podspot.de/post/der-vogel-des-jahres-2009/

Gartenrotschwanz

Jeder gute Garten wird neben Gartenzwergen, Teichanlage und Co. idealerweise natürlich mit buntem Federvolk geschmückt. Besonders schön anzusehen und zu hören ist der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), der übrigens ein naher Verwandter des Rotkehlchens ist.

Der Gartenrotschwanz lebt bevorzugt in bäuerlichen Gebieten mit abwechslungsreicher Landschaft. Hier findet er genügend Nahrung und geeignete Stellen für seine Nester. Doch leider werden diese Gegenden in den letzten Jahrzehnten immer weniger. So gab es vor 30 Jahren in Deutschland noch bis zu viermal so viele Rotschwänze wie heute. Denn der kleine Vogel mag es gerne abwechslungsreich: Ein vielfältiges Nahrungsangebot und verschiedene Möglichkeiten für den Nestplatz sind ein absolutes Muss!

Wenn erst einmal ein geeigneter Brutplatz gefunden ist, wird der auch gerne 2 Jahre hintereinander besetzt. Obwohl er schon im März, anstatt wie gewohnt im April, zu uns zurückkehrt, sind viele seiner Brutgebiete schon von anderen besetzt. Deshalb wird es zukünftig noch wichtiger, den eigenen Garten naturnah zu gestalten, um den Lebensraum der Gartenrotschwänze und anderer heimischer Vögel zu erhalten. Doch nicht nur hier hat es der kleine Vogel schwer. Sein Winterdomizil in Afrika wird aufgrund des voranschreitenden Klimawandels immer häufiger von heftigen Dürreperioden heimgesucht

2011 wurde der Gartenrotschwanz zum Vogel des Jahres gekürt: http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2011-gartenrotschwanz/

Fischers Fritz fischt vergeblich nach Forellen

Von Spanien bis nach Russland erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Bachforelle (Salmo trutta fario). Auch bei uns fühlt sich die kleinste Forellenart in Flüssen und Bächen pudelwohl. Im Gegensatz zur ihren Geschwistern, den Meer- und Seeforellen, wandert die Bachforelle nicht umher, sondern verbringt ihr ganzes Leben an einem Ort.

Selten kommt es vor, dass eine Bachforelle doch ins Meer abwandert. Selbst dann kehrt sie zum Ablegen ihrer Eier zurück. An ihr trautes Heim stellt sie allerdings einige Ansprüche: Kühl, klar, sauerstoffreich und schnell-fließend muss ihr Heimatgewässer sein.

Temperaturen zwischen 10°C und 15°C sind ideal. Temperaturen bis zu 20°C sind zwar noch gerade so aushaltbar, machen der Fitness der Bachforelle aber schon ganz schön zu schaffen. Ab 20°C ist es der Bachforelle viel zu warm. Sie wird anfälliger für Krankheiten, ist nicht mehr so fruchtbar und wächst langsamer. Aufgrund wärmerer Sommer könnten sich gerade kleine Bäche schnell über 20°C aufheizen und für Bachforellen unbewohnbar werden.

Vater allein zu Haus

Ein Nest, das findet man doch nur auf Bäumen. Falsch! Es gibt auch nasse Nester unter Wasser. Zum Beispiel bei dem dreichstacheligen Stichling (Gasterosteus aculeatus), der bei uns in kleinen Tümpeln und langsam fließenden Gewässern zu Hause ist.

Die meiste Zeit im Jahr ist der 4 cm große Fisch in Schwärmen unterwegs. Zur Paarungszeit aber seilen sich die Milchner, also die geschlechtsreifen männlichen Fische, von dem Rest der Gruppe ab. Dann sucht sich jedes Männchen ein eigenes Revier und beginnt mit dem Nestbau. Dazu verwendet der dreistachelige Stichling vor allem Pflanzenteile, die er mit einer Flüssigkeit aus den Nieren verklebt.

Ist das Nest fertig gebaut und erfolgreich gegen Rivalen verteidigt, beginnt er ein Weibchen anzulocken. Dazu wechselt er zunächst die Farbe seiner Schuppen: Aus silbrig grau wird ein leuchtendes Rot. Dann führt er in einer Art Zickzacktanz ein williges Weibchen in sein Nest. Nachdem das Weibchen seine Eier abgelegt hat, wird es wieder vertrieben. Das Männchen befruchtet nun die Eier und fächelt ihnen genügend sauerstoffreiches Wasser zu. Nachdem die Fischjungen geschlüpft sind, kümmert es sich weiterhin alleine um die Aufzucht der Brut. Die viele Aufmerksamkeit, die der dreistachelige Stichling seiner Brut schenkt, zahlt sich aus: Die Brut entwickelt sich prächtig.

Der fürsorgliche Fisch fühlt sich bei Temperaturen zwischen 4°C und 20°C wohl. Doch als Folge des Klimawandels werden die Sommer heißer und trockener. Gerade kleinere Gewässer erreichen dann schnell Temperaturen über 20°C. So hohe Temperaturen meidet er bisher.
   

Schwarzfahrer in Atemnot

Wo Wasser ist, da ist Leben. Manchmal müssen wir ganz genau hinschauen, bevor wir alle Bewohner von Tümpel, Teich und Fluss entdecken. So fällt uns die große Erbsenmuschel (Pisidium amnicum) vielleicht erst einmal nicht auf.

Denn der stille Wasserbewohner vergräbt sich im sandigen Untergrund von unseren Bächen und kleinen Flüssen. Nur zum Fressen kommt sie an die Oberfläche. Sie filtert die Nährstoffe, die sie braucht, aus dem Wasser. Dabei ist die Kleinmuschel so sensibel, dass sie selbst kleinste Veränderungen der Nähr- und Schadstoffkonzentration wahrnimmt. Bestimmte Wasserpflanzen bekommen ihr gar nicht gut und am besten gefällt es ihr sowieso in kühlen, schnell fließenden Gewässern. Denn hier wird die optimale Menge an feinem Sand ständig bewegt. Die große Erbsenmuschel ist also immer unter der Sandoberfläche perfekt geschützt. Außerdem ist in solch einem Gewässer die Sauerstoffkonzentration besonders hoch. Davon braucht die große Erbsenmuschel besonders viel.

Deshalb macht ihr der Klimawandel auch schwer zu schaffen. Aufgrund von Hitzeperioden und weniger Niederschlag im Sommer sinkt der Wasserspiegel unserer Teiche und Bäche. Ein niedriger Wasserpegel heizt sich schneller auf. Warmes Wasser führt weniger Sauerstoff als kaltes. Der großen Erbsenmuschel wird es bald zu stickig in unseren Gewässern.

Buche

Mutter oder Königin der Wälder wird sie genannt. Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist der einzige Laubbaum, der einen Wald komplett beherrschen kann. So war sie lange Zeit die häufigste Baumart in Deutschland. Königlich ist auch ihr Alter. Bis zu 400 Jahre alt kann dieser Gigant werden.

Erst in späteren Jahren eignet sich die Rotbuche als Lebensraum für Tiere, die in ihrem Stamm Baumhöhlen anlegen. Ein ganzer Buchenwald kann so bis zu 6.000 verschiedenen Tierarten Unterschlupf bieten. Zwar machen hohe Temperaturen im Sommer der Rotbuche noch nicht so stark zu schaffen wie der sensiblen Fichte, dennoch könnte der Klimawandel auch die Rotbuche ernsthaft bedrohen.

Die Winter werden zukünftig wärmer und feuchter. In solch einem Klima können sich besonders Rindenpilze ungestört ausbreiten. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass die Rinde der Rotbuche abfällt. Diese Erkrankung des Baumes nennt man auch Buchenrindennekrose. Dabei sammelt sich zunächst Wasser unter der Rinde an. Das Holz des Baumes verfärbt sich. Wird nun nicht eingegriffen, bildet sich ein Riss in der Rinde. Dadurch können Pilze und Bakterien eindringen. Aufgrund der milden Temperaturen können diese sich ungehindert verbreiten. Infolgedessen kommt es zu einer Infektion, die zum Abfallen der Rinde führen kann.

Invasion von unten

Wer hätte das gedacht, auch Pflanzen können ihren Standort verlassen und auswandern. Die Ausbreitung und Umsiedlung von Bäumen, Gräsern und Sträuchern dauert ganz klar länger als unser Umzug in eine andere Stadt. Doch wenn sich eine Pflanze einen neuen Standort sucht oder beginnt an neuen Orten zu wachsen, kann das Aufschluss über klimatische Veränderungen geben.

So auch im Fall der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium). Die immergrüne Pflanze war schon in den 1940er Jahren weit über die Grenzen Europas hinaus zu finden. Damals reichte ihr Verbreitungsraum von den hohen Lagen Nordafrikas über Dänemark bis nach Süd-West Norwegen. Diese räumliche Begrenzung im Norden wird mit den 0°C-Januar-Isothermen in Verbindung gebracht. Das sind die nördlichen Regionen, in denen die Durchschnittstemperatur im Januar um 0°C liegt. Überall dort, wo im Winter vorwiegend Minusgrade herrschen, kann die Europäische Stechpalme nicht wachsen.

In den letzten Jahrzehnten ist die Durchschnittstemperatur im Januar konstant angestiegen, so dass nun auch im Süden Schwedens mit Durchschnittstemperaturen von 0°C zu rechnen ist. Diesen Temperaturanstieg hat die Europäische Stechpalme gekonnt genutzt und sich auch hier fleißig angesiedelt. Auch bei uns ist sie nun vermehrt zu finden. Denn als immergrüne Pflanze kann sie im wärmeren Herbst und Winter auch dann noch genügend Energie produzieren, wenn andere Pflanzen nicht mehr so aktiv sind. Sie kann sich nun noch weiter im Unterholz heimischer Buchen- und Eichenmischwälder verbreiten. Das wird allerdings für andere Bodenpflanzen zum Problem. Diese bekommen viel weniger Licht und werden aus ihrem Lebensraum verdrängt.

Der Gemeine Holzbock... eine unserer häufigsten Zeckenarten

Bei dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) handelt es sich nicht, wie man zunächst vermuten könnte, um ein besonders fieses Turngerät, sondern um unsere häufigste Zeckenart. Als Parasit lebt sie vom Blut anderer Säugetiere.

Um einen geeigneten Wirt zu finden und diesen besser erreichen zu können, klettert die Zecke auf Büsche und Gräser. Hat sie sich anständig positioniert, streckt sie ihre Vorderbeine in die Höhe. Hier befindet sich das Hallersche Organ, die Nase der Zecke. Damit nimmt sie bestimmte Gerüche wie Buttersäure oder Ammoniak, die im Schweiß des Opfers vorkommen, deutlich wahr. Streift das potenzielle Opfer die Zecke, klammert sie sich blitzschnell an seinem Fell oder der Kleidung fest. Dann sucht sie sich eine besonders dünnhäutige, feuchte und gut durchblutete Stelle. Beim Menschen eignen sich vor allem der Achsel- und Genitalbereich, die Kniekehle oder der Haaransatz.

Hat sie eine gute Stelle gefunden, reißt sie mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen einen Spalt in der Haut auf und gräbt mit ihrem Stechrüssel eine Grube. Diese Kuhle läuft voll mit dem Blut des Wirtes, das die Zecke immer wieder absaugt. Ihr Opfer merkt davon kaum etwas. Die Zecke betäubt die Bissstelle mithilfe ihres Speichels. Bis zu 15 Tage hängt sie so saugend an ihrem Wirt. Ist sie vollgesogen, lässt sie sich vom Wirt abfallen. Die Zecke ist so dehnbar, dass sie vollgesogen bis zu 200 Mal mehr wiegen kann, als ungesogene Artgenossen. Legt das Zeckenweibchen keine Eier, kann es von so einer Blutmahlzeit bis zu 10 Jahre leben.

So beeindruckend dieser kleine Parasit auch ist, ist er für den Menschen alles andere als ungefährlich. Die durch Zecken übertragenen Krankheiten Borreliose und FSME können schwere Folgen haben. Ein Schutz vor diesen Krankheiten ist zudem auch nur bedingt möglich. Bislang war zumindest im Winter Ruhe vor den blutsaugenden Plagegeistern. Bei Temperaturen unter 7°C fällt die Zecke in Winterstarre. Die Winter werden allerdings immer wärmer, so dass die Winterstarre der Zecke kürzer wird oder sogar ganz ausfällt. Die Zecken sind also länger aktiv und produktiv.